Vorbemerkung

Die Gruppe der nichtsprechenden oder schwer verständlichen Schüler an den Schulen mit den Förderschwerpunkten geistige sowie körperliche und motorische Entwicklung wird immer größer. Nicht, weil die die absolute Zahl steigt, sondern weil das Wissen um UK bei betreuenden Personen und natürlich auch bei den Eltern zunimmt. Eine Abfrage der bayerischen UK-Tandems 2011 ergab einen Anteil von durchschnittlich 27 % an Schülerinnen und Schülern an den Förderzentren geistige sowie körperliche und motorische Entwicklung mit besonderem Förderbedarf im Bereich UK . Eine Untersuchung an sächsischen Schulen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung zeigte, "von 402 durch ihre LehrerInnen eingeschätzten SchülerInnen können 259 gar nicht oder nur unverständlich sprechen (Adam 1996)." Mit steigender Zahl dieser Schülerschaft steigt somit die Bedeutung und die dringende Notwendigkeit der Kommunikationsförderung an den Schulen.

Kommunikation ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Auf seine Umwelt kann nur derjenige aktiv Einfluss nehmen, der in der Lage ist seine Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse darzustellen. Menschen, die nicht sprechen können, müssen auf das wichtigste Ausdrucksmittel verzichten. Kommunikationsförderung sollte an allen Förderschulen ein Förderschwerpunkt sein, der die grundlegenden Ziele aus dem Grundgesetz - die freie Entfaltung der Persönlichkeit - und des BayEUG im Auge hat und einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung von Schülern leistet.

Unsere unter "Material" erhältliche Broschüre will Lehrkräften, Erziehern und Eltern eine kompakte Orientierungshilfe zum Thema UK geben. Sie hat keineswegs  den Anspruch, das komplexe Thema erschöpfend zu behandeln und soll insbesondere im Bereich der elektronischen Hilfen einen Überblick und praktische Hinweise zu Kommunikationsformen und Kommunikationshilfen vermitteln, auf denen eine individuelle Förderung an der Schule aufbauen kann. Da die Drucklegung bereits 2007 erfolgte, sind hier neuere Entwicklungen der UK-Förderung nicht berücksicht wurden. Eine Neuauflage ist auch nicht geplant, da mit Erscheinen der Handreichung "Unterstützte Kommunikation in Unterricht und Schule" des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB), an deren Zustandekommen ELECOK maßgeblich beteiligt war, nunmehr ein Standardwerk für den Alltag vorliegt. Vertiefend und umfassender wird die Thematik "Unterstützte Kommunikation" im "Handbuch der Unterstützten Kommunikation" abgehandelt, das gegenwärtige Standardwerk.

 

Begriffsbestimmung Kommunikation

Kommunikation wird im allgemeinen definiert als der "Austausch, die Verständigung, der Prozeß der Übermittlung und Vermittlung von Information durch Ausdruck und Wahrnehmung (Transaktion) von Zeichen aller Art, systematisch einzuordnen auf einer biophysischen Ebene (körperliche Berührungen und Affekte wie Lachen und Weinen), einer motorischen (Körperhaltung, Mimik, Gestik) und einer lautlichen (Geräusch und Sprache) und einer technischen Ebene (Medien)."

"Für die Entwicklung geistiger Fähigkeiten ist die Sprache von herausragender Bedeutung. Hirnorganisch geschädigte Kinder und Jugendliche weisen oft motorische Sprachentwicklungsstörungen auf (Dysarthrie), die bis zum Verlust des Sprechens führen können (Anarthrie). In der Regel sind auch die gestischen und mimischen Ausdrucksmöglichkeiten eingeschränkt. Der Aufbau einer inneren Sprache ist erschwert. Einschränkungen des Sprachverständnisses hemmen die Entwicklung kognitiver Strukturen, etwa im Bereich der Begriffsbildung. Verminderte Sprachfähigkeit und Sprechfähigkeit führen zu Störungen des kommunikativen Prozesses. Wenn die sprachliche Auseinandersetzung über Erfahrungen oder Sachverhalte unterbleibt, sind negative Auswirkungen auf das Denken die Folge." Kommunikationsmangel bedeutet Isolierung.

Praxisorientiert legt ELECOK einen den Bedürfnissen unserer Kinder und Jugendlichen entsprechenden etwas anderen Kommunikationsbegriff zugrunde, der insbesondere auch Selbstwirksamkeit, Eigenaktivität und Selbstbestimmtheit zum Anliegen hat und sich nicht nur auf fehlende oder eingeschränkte Lautsprache einengt.

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