Fortbildungsprojekt „Tandem-UK“ (TUK)

an bayerischen Förderschulen


Unterstützte Kommunikation (UK) ist nicht nur in den Kernpunkten sonderpädagogischer Förderung des Bayerisches Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes (BayEUG) verankert, sondern auch in den Bezugslehrplänen - bzw. deren Adaptionen – insbesondere der Förderschwerpunkte geistige sowie körperliche und motorische Entwicklung. Vorrangige Zielsetzungen sind hier Selbstbestimmung und größtmögliche Teilhabe an der Gesellschaft. Bezogen auf UK geht es nicht nur um Alternativen zur gesprochenen oder geschriebenen Sprache, sondern auch um Hilfen zu eigenständigem Handeln. Vielschichtige Initiativen begründen seit Jahren eine Umsetzung im schulischen Alltag.
Die komplexen Fragestellungen und die enormen inhaltlichen, organisatorischen und zeitlichen Anforderungen bedürfen jedoch organisatorischer Rahmenbedingungen, um ihnen erfolgreich begegnen zu können. Die Problematik der Vergangenheit bestand darin, dass viele Lehrkräfte und Schulleitungen diesen Anforderungen im Allgemeinen ohne klare Rahmenbedingungen und professionelle Unterstützung durch speziell ausgebildete Lehrkräfte gerecht werden mussten. Diese Personengruppe bedurfte somit einer gezielten und flächendeckenden Fortbildungsinitiative, sofern sie nicht aus persönlichem Interesse oder im Auftrag der jeweiligen Einrichtungsträger bereits an einschlägigen UK-Fort- und Ausbildungsangeboten teilgenommen hatten.
Im Bereich des Förderschwerpunktes körperliche und motorische Entwicklung erfolgt seit vielen Jahren Beratung und Förderung bzgl. UK über das bayernweite Beratungssystem ELECOK (Teil der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste). Viele hier verorteten Anforderungen finden sich auch im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Umgekehrt besteht seit langem auch an Förderzentren körperliche und motorische Entwicklung die (zunehmende) Notwendigkeit, Lerninhalte aus dem Bereich geistige Entwicklung zu integrieren. So ist es nur selbstverständlich, dass vorhandene Kompetenzen miteinander verknüpft und ergänzt werden.

 

Konzept Tandem UK (TUK)

Anlässlich einer Fortbildung in der bayerischen Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) wurde unter Einbezug des bayerischen Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) ein Konzept entwickelt, um das in beiden Förderschwerpunkten vorhandene KnowHow und entsprechende Ressourcen zu bündeln und weiterzuentwickeln: die Fortbildungsinitiative „Tandem UK“ (TUK).
In einer ersten Stufe wurde 2007 in jedem Regierungsbezirks mindestens ein sogenanntes UK-Tandem gebildet, bestehend aus einem/r Vertreter/in aus dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und der jeweiligen ELECOK-Beratungsstelle (aufgrund der regionalen Besonderheiten gibt es in Oberbayern drei und in Schwaben zwei Tandems).
Diese Tandems entwickelten für sich und die Aus- und Weiterbildung der UK-Koordinator/innen ein Fortbildungskonzept unter anderem mit folgenden Schwerpunkten:

  • Beratung
  • Diagnostik
  • Didaktik
  • Dokumentation
  • Evaluation
  • Finanzierung
  • Grundhaltung
  • Kommunikationsformen
  • Kommunikationshilfen
  • Methodik 
  • Rahmenbedingungen
  • technische Grundlagen


Aufgabe der Tandems UK

Die Mitarbeiter/innen der Tandems UK werden regional in der Beratung, Koordination und Fortbildung zu Unterstützter Kommunikation tätig und wenden sich vorrangig an die UK-Koordinator/innen der bayerischen Förderschulen mit den Förderschwerpunkten geistige sowie körperliche und motorische Entwicklung.
Sie vernetzen Kompetenzinseln und behalten den Überblick zu Theorie und Praxis der Unterstützen Kommunikation. Sie unterstützen bei der Implementierung von UK in den jeweiligen schulischen Alltag.
Zur Umsetzung dieser Inhalte finden regelmäßige Fortbildungen in der Akademie statt, von der sie auch vernetzt und organisatorisch begleitet werden. Ergänzend unterstützt auch das ISB (u.a. durch die Handreichung „UK in Unterricht und Schule“ München 2009).


UK-Koordinatoren

Um flächendeckend UK in allen bayerischen Förderzentren mit den Förderschwerpunkten geistige sowie körperliche und motorische Entwicklung umzusetzen, erfolgte 2008 in einem nächsten Schritt die Einsetzung von sogenannten UK-Koordinator/innen (mit Betreuung durch die jeweiligen UK-Tandems). Bei Bedarf werden auch Schulen für Kranke mit einbezogen, sofern dort UK eine entsprechende Gewichtung im unterrichtlichen Alltag hat.
Als Grundlage für das weitere Vorgehen wurden zunächst Feststellungen zum Ist-Zustand bzgl. UK in der Region getroffen (z.B. an der Schule vorhandene Kompetenzen, Anzahl der „UK-Klienten“, UK-Förderbedarf, Fortbildungsbedarf, strukturelle Voraussetzungen ...) und ein entsprechender Aufgabenkatalog definiert.


Aufgaben der UK-Koordinator/innen

Die UK-Koordinator/innen verstehen sich als Initiatoren und Ansprechpartner für die Imple-mentierung der Unterstützten Kommunikation an der eigenen Einrichtung (mit Unterstützung durch die Tandems UK).
Zu den umfänglichen innerschulischen Aufgaben der UK-Koordinator/innen gehören mittel fristig:

  •  Leitung einer/s interdisziplinären Steuergruppe / eines Teams / eines Arbeitskreises
  • Koordination von Beratung und Fortbildung, Förderansätzen und Konzepten
  • eigene Kompetenzerweiterung durch Fortbildungen, Seminare, Beratungen
  • Verwaltung des Medienparks und der räumlichen Ausstattung
  • Elterngespräche und Beratung
  • kollegiale und interdisziplinäre Beratung bzgl. Fördermaßnahmen für einzelne Schüler/innen
  • Verzahnung von Fördermaßnahmen der Unterstützten Kommunikation
  • kollegiale und interdisziplinäre Fortbildung
  • Durchführung von Einzelförderung, Gruppenförderung oder Talkergruppen
  • Unterstützung bei der Implementierung von UK in den Unterrichtsalltag
  • stetige Information im Schulhaus
  • Information nach außen
  • Beratung zu / Erstellung von Gutachten für Hilfsmittelversorgungen
  • Kontakt mit Hilfsmittelfirmen
  •  Kontakt mit Krankenkassen

Regelmäßige regionale Fortbildungsveranstaltungen mit internen und externen Referent/innen sind Voraussetzung, diese Anforderungen mit entsprechendem Sachwissen erfüllen zu können. Diese Fortbildungen werden entweder von den Tandems organisiert oder finden lokal in Eigeninitiative statt (durchaus mit Öffnung nach außen).


Zusammenfassung

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass durch dieses strukturierte Vorgehen UK in all diesen Schulen eine zunehmende Gewichtung und Verbreitung erfährt und in seinen unterschiedlichen Facetten immer stärker in den Alltag integriert werden kann. In allen bayerischen Regierungsbezirken konnten dadurch auch überraschende Kompetenzen im Kollegium festgestellt werden, die im Alltag der Schule oft bisher nicht genutzt wurden oder nur unzureichend bekannt waren. Auch seitens der Eltern stößt diese Initiative auf großes Interesse und Mitarbeit. Während in einzelnen Schulen UK schon zum Schulalltag in allen Klassen gehört, müssen anderswo noch „Inseln“ geschaffen werden, in denen bewiesen wird, wie unverzichtbar UK ist, um dann Zug um Zug Verbreitung im ganzen Haus zu finden.
Aufgabe der Schulleitungen und Schulaufsicht bleibt es, die mit dieser Aufgabe betrauten Kolleg/innen durch schulinterne Maßnahmen bzw. entsprechende Stundenzuweisungen zu stützen und dafür zu sorgen, dass sie die enormen inhaltlichen und zeitlichen Anforderungen bewältigen können, auch und gerade in Kooperation mit allen Bereichen der Einrichtung.
Als drängendstes Problem stellt sich momentan neben den personellen Ressourcen die sächliche Ausstattung an UK-Hilfsmitteln dar. Durch das neue Wissen um die ungeahnten Chancen von UK wird deutlich, wie unzureichend die Schulen bisher diesbezüglich ausgestattet sind. In einem stufigen Vorgehen wird deshalb beabsichtigt, neben Hilfsmitteln zur Erprobung auch eine Grundausstattung für den Unterrichtsalltag in allen Klassen und Fachräumen zur Verfügung stellen zu können. Die Ausstattung mit sehr leistungsfähigen Kommunikatoren dürfte sich allerdings im Allgemeinen nur über individuelle persönliche Versorgungen realisieren lassen.


Gerhard Hornicek 2010
(siehe auch: HdUK)
 

 

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